Die aktuelle Ausgabe des Skolast dreht sich rund um das Thema „Uni Bozen: gestern.heute.morgen“. Zur Präsentation lud die sh.asus in Zusammenarbeit mit dem Studentenverein „kikero“ zu einer Podiumsdiskussion im obersten Stock der Uni Bozen, bei der Rektor Walter Lorenz, Absolvent Arnbjörn Eggerz, die beiden Landtagsabgeordneten Eva Klotz und Martha Stocker sowie die Publizistin und ehemalige Landtagspräsidentin Alessandra Zendron über das Gestern und das Heute sprachen, vor allem aber Perspektiven für das Morgen aufzeigten. Ausgehend von den Beiträgen im Skolast stellte Moderator Günther Pallaver provokante Theorien auf und bat die Diskutanten um ihre Ansichten.
Vor allem in Bezug auf die Gelmini-Reform wurden die Studierenden der Uni Bozen als zu passiv kritisiert. Zur Verteidigung seiner StudentInnen verwies Walter Lorenz darauf, dass die Universität immer ein Spiegelbild der Gesellschaft ist, da die 1968er nun schon über 40 Jahre her seien und es allgemein viel ruhiger geworden sei. Das italienische Bildungssystem verstünde ein Außenstehender nur schwer. Er beobachtete jedoch, dass viele StudentInnen ihre Praktika in schwierigen, konfliktreichen Orten wie Nicaragua, Vietnam oder Kambodscha absolvieren würden. Dies zeige sehr wohl studentisches Engagement. Arnbjörn Eggerz verwies auf den „Vermischungsprozess“ zwischen den zu Beginn sehr homogenen Studentengruppen. Dies manifestiere sich auch am Beispiel Kikero, wo mittlerweile Studierende von überall her mitmachen.
Unterschiedlich bewertet wurden die Machstrukturen der Universität. Martha Stocker wünscht sich mehr politische Einflussnahme auf die Uni, um die Bildung von internen Seilschaften zu erschweren. Die FUB solle sich verstärkt mit Einrichtungen wie EURAC oder WiFO vernetzen und sich damit auch mehr in der Gesellschaft verankern.
Dem Dafürhalten Eva Klotzs ist die Universität lediglich ein weiteres Prestigeobjekt für den Landeshauptmann Durnwalder. Sie sei früher gegen die FUB geseen, da sie eine Italianisierung befürchtet habe, die aber zum Glück nicht eingetreten sei. Die Südtiroler sollten in die Welt hinaus gehen um zu studieren und dann zurückkehren und ihre Erfahrungen einbringen. Mit dem vielen Geld, dass in die FUB gesteckt würde, könne man jedem ein komplettes Studium im Ausland bezahlen.
Alessandra Zendron würdigte den Beitrag, den die Universität zur Demokratisierung der Gesellschaft geleistet habe. Sie sehe diese in Zukunft verstärkt als Gegengewicht zur Politik. Dies könne beispielsweise in einem Institut für Zeitgeschichte geschehen.
Ein weiteres Themenfeld war die Mehrsprachigkeit: Arnbjörn Eggerz, ein „Deutsch-Isländer“ reizte es vor allem, in einem zwei- bzw. dreisprachigen Umfeld eine neue Sprache, wie Italienisch, zu erlernen.
Auf die Dominanz des Englischen angesprochen meinte Alessandra Zendron, dass es eigenartig sei, wenn an der FUB von den Studierenden bereits zum Studienbeginn mindestens zwei Sprachen verlangt werden, dies aber genau bei der LehrerInnenausbildung in Brixen vernachlässigt wird. Gerade hier sollte eine zwei- oder gar dreisprachige Bildung ermöglicht werden.
Das Arbeiten an einer „Uni-Kultur“ gehört zu den Prioritäten des neuen Rektors. Auch wenn die Bologna-Reform vieles erschwere und durch die Untersuchungen des Rechnungshofsoft zu übertriebener Vorsicht führe, so sei doch für wesentlich mehr Autonomie und Verantwortung für die einzelnen Fakultäten, die aber auch eigene Qualitätskriterien und Zielvereinbarungen aufstellen müssten, so Walter Lorenz.