Am Donnerstag Abend veranstaltete die sh.asus eine Podiumsdiskussion zu den anstehenden Landtagswahlen. 11 Parteien schickten eine Vertretung, um zusammen mit Moderator Christoph Franceschini und über 120 Interessierten im Bozner Kolpinghaus die brennendsten Fragen im Bildungs- und Universitätsbereich zu erörtern. Während bei den Studienbeihilfen weitgehend Einigkeit bezüglich deren sozialen Charakter herrschte, gingen die Meinungen bei Themen wie mehrsprachige Schule, Universität Bozen und dem Bildungsleitbild weit auseinander.
Elena Artioli (Lega Nord) möchte zweisprachige Sektionen in den italienischen Schulen einführen. Die Südtiroler Unternehmen sollten stärker gefördert werden, um attraktive Arbeitsplätze für AkademikerInnen schaffen zu können.
Andreas Fink (BürgerListeCiviche) ist der Meinung, dass die Schule europäischer werden muss. Auf Universitätsebene sollte die Zusammenarbeit zwischen Trient, Bozen und Innsbruck ausgebaut werden. Ein besonderes Anliegen sind ihm mehr Freiräume für junge Menschen und die Senkung des Wahlalters auf 16.
Für Hans Heiss von den Grünen ist es wichtig, die Uni Bozen von Grund auf durchzuchecken. In den vergangenen 10 Jahren hätten sich einige Seilschaften entwickelt. Auch die Zusammenarbeit mit der EURAC funktioniere nicht nach Wunsch. Die Universität sollte mehr fixe Professor/innen anstellen, und ebenso zu gesellschaftspolitischen Themen Stellung beziehen.
Eva Klotz (Süd-Tiroler Freiheit) bemängelt die ständigen Reformen im italienischen Bildungssystem. Eine Trennung von Rom würde diese Problematik lösen. Die Uni Bozen diene lediglich als Prestigeobjekt von Luis Durnwalder, das Geld könnte besser in üppige Studienbeihilfen investiert werden.
Ivan Lezuo (Ladins Dolomites) wünscht sich eine stärkere Berücksichtigung des Ladinischen, sowohl in der Schule als auch auf universitärer Ebene. Die gemeinsame Dachsprache sei dafür ein wesentlicher Bestandteil.
Katrin Mall von den Freiheitlichen berichtet von ihren Erfahrungen als Lehrerin in Salurn. Einige Kinder würden den Lernfortschritt der ganzen Klasse aufhalten, deshalb begrüßt sie die Wiedereinführung der Betragensnote. Im Allgemeinen sollte Südtirol auch die volle Bildungsautonomie anstreben.
Tanja Rainer, Kandidatin der Jungen Generation der SVP würde im Italienischunterricht verstärkt auf Kommunikation denn auf Literatur setzen. Die Studierenden sollten mehr Mitspracherechte bekommen und die Anerkennung der österreichischen Studientitel müsse rascher vorangetrieben werden. Auch kann sie sich Darlehen als Ergänzung im Stipendienwesen vorstellen.
Hans Rieder (Bürgerbewegung) wünscht sich mehr Ruhe für die Schule, damit diese sich auf ihre Arbeit -- das Lernen -- stärker konzentrieren könne. Das Land Südtirol solle versuchen, seine Möglichkeiten im Bildungsbereich zur Gänze auszuschöpfen. Schließlich sieht er in der Mehrsprachigkeit die größte Chance der Uni Bozen.
Patrizia Sabbadin (Südtiroler Kommunisten) erklärt, dass die Sprachkenntnisse vor allem durch das Zusammenleben verbessert werden könnten. Deshalb brauche es ein Bildungsleitbild für alle Sprachgruppen zusammen. Die von der Regierung Berlusconi beabsichtigten Kürzungen im Bildungsbereich lehnte sie entschieden ab.
Für Uwe Staffler von der Demokratischen Partei hat die junge Uni Bozen eine gute Entwicklung hinter sich, das sei auch durch die entsprechenden Rankings belegt. Die Umsetzung der Schulreform von Luisa Gnecchi müsse weitergehen und alle Schulen sollten unter einem Landesrat vereint werden.
Roland Stauder (Union für Südtirol) würde im Vorschulalter verpflichtende Sprachkurse für Kinder mit Migrationshintergrund einführen. Das System der Ausbildung der Lehrkräfte müsse erneuert werden. Studierende sollten auswärts studieren, deshalb brauche es keine Volluniversität in Bozen.
![]() Tageszeitung, 18/09/08 |