Erfahrungsbericht

Wien
Barbara Universität Wien, Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, BA

Beim Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (kurz Publizistik oder PKW) wird man in die Welt der Medien eingeführt. Die Fächer reichen von Kommunikationsgeschichte, -theorie, und -ethik, über Kommunikationsforschung, -pädagogik, -psychologie bis hin zum Lernen der verschiedenen Methoden der Evaluation von journalistischen Texten und PR-Arbeiten. Es gibt eine Eingangsphase (STEP 1-6), die man bestehen muss, bevor man die spezifischeren Fächern besuchen darf. Im ersten Semester hat man relativ wenig Fächer (nur die Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten, Denken und die Methoden). Im ersten Semester ist es deshalb sinnvoll, viele freie Wahlfächer zu besuchen, die man im Studium sowieso machen muss (freie Wahlfächer sind Vorlesungen (VO) aus anderen Studien, die man zwar machen muss, aber man darf sich frei auswählen was man macht. Es sollte aber ein Bezug zum Studium da sein, so zB VOs aus Psychologie, Pädagogik, Englisch, Wirtschaft, Geschichte, Politik... es gibt auch schon vorgefertigte Wahlfachkörbe, die man auswählen kann. Diese kann man ev. auch noch ändern. Man sollte sich jedoch die Wahlfächer, falls man sie selbst zusammenstellt und keinen Wahlfachkorb wählt unbedingt genehmigen lassen, sonst kann es passieren, dass man am Ende des Bachelors noch zusätzliche Prüfungen schreiben muss, weil manche nicht anerkannt werden...) Sobald man die Eingangsphase (STEPs) überstanden hat, wird‘s interessant:) Die STEPS können ziemlich fad sein. Viele brechen das Studium da ab, weil sie wirklich langweilig sind. Sie haben inhaltlich nicht viel mit dem wirklich interessanten Stoff zu tun, ABER sie sind sehr wichtig für den späteren Erfolg im Studium. Man lernt die Methoden, wie man wissenschaftlich schreibt, was gerade in PKW sehr wichtig ist, denn man schreibt im Vergleich zu anderen Studien mehr wissenschaftliche Arbeiten (Proseminararbeit, Bakk1+Bakk2, ...) Zusätzlich zu den Fächern, die man nach den STEPS besuchen, darf man nun auch 3 Wahlfächer besuchen (zB: PR und Öffentlichkeitsarbeit, Werbung, Journalismus, Markt- und Meinungsforschung, Kommunikationsforschung, Kommunikationsgeschichte, ... ) Diese Fächer sind sehr praxisnah. Die Bezeichnung Wahlfächer ist der Überbegriff für die Arbeitstechniken (AT) und die Übungen (UE), die man besucht. Beispiel. Du wählst das Wahlfach Werbung. Zuerst besuchst du die AT WERB, dann darfst du 2 UE WERB besuchen. Bei den ATs lernst du wichtige Arbeitsschritte, zB wie man eine Werbung plant und umsetzt. Bei der UE setzt du dein Wissen dann in die Praxis um und erstellst zB für ein Unternehmen eine Werbekampagne für ein Produkt. Zum Erreichen des Bachelors sind in PKW auch 2 Bakkalaureatsarbeiten (je ca. 30-40 Seiten) zu schreiben. Ich wusste nach der Matura eigentlich nicht wirklich was ich studieren sollte. Hab dann PKW angefangen (da gab‘s das Auswahlverfahren erst am Ende des 1. Semesters). Das erste Semester war zwar interessant, weil alles neu war und ganz allein in einer großen neuen Stadt hat auch seinen Reiz, doch inhaltlich war ich sehr enttäuscht, was die Uni zu bieten hat. Ich wollte aber nicht abbrechen, weil ich unbedingt das Auswahlverfahren bestehen wollte, falls ich später doch wieder PKW studieren wollte. Das war eigentlich mein Glück, denn im 2. Semester hatte ich das Glück in ein Tutorium zu kommen, das mir sehr, sehr gefiel. Es war inhaltlich anspruchsvoll und entsprach genau dem, was ich mir vorgestellt hatte. Im ersten und zweiten Semester besuchte ich zudem viele freie Wahlfächer und erledigte somit nicht nur Sachen, die ich sowieso erledigen hätte müssen, sondern bekam auch einen Einblick in andere Studien (für da sind die freien Wahlfächer ja da..). Nach dem Ende der (langweiligen) Eingangsphase begannen dann die "interessanten" Fächer und die Wahlfächer, die mich auch wieder motivierten weiterzumachen. Im gesamten Studium ist es jedoch so, dass man mehr den gesamten Ablauf der Medien lernt und wie sie zusammenspielen. Man bekommt keine Ausbildung für den Beruf eines Journalisten, Werbe- oder eines PR-Spezialisten. Dies ist Vor- und Nachteil zugleich. Denn einerseits lernt man wahnsinnig viel darüber, wie die Gesellschaft aufgebaut ist, andererseits kann man keinen Beruf perfekt und einwandfrei. DOCH dafür sind die Praktika gut. In meinen Praktika habe ich viel gelernt und einen guten Einblick in die Welt der PR und des Journalismus bekommen. Praktika sind deshalb enorm wichtig, weil keine Schule oder Uni der Welt kann dir zeigen wies im normalen Arbeitsalltag ist und wie es mit richtigen Kunden oder realen Tatsachen ist… Was vielleicht nicht so gut ist, ist, dass man wirklich keine Berufsausbildung bekommt. Ein wenig mehr praxisbezug würde nicht schaden. Die UE sind zwar praxisnah, aber es könnte ruhig mehr von dem sein. Die Uni ist nämlich generell mehr auf wissenschaftliche Bildung aus, im Gegenzug zu FHs, bei denen man knallhart sehr viel Praxis erlebt. Der Vorteil der Uni ist aber, dass man sehr frei wählen kann was man wann machen will. Man weiß was man machen muss, kann sich das dann aber selbst einteilen. ZB VO1 mach ich vor VO2 und VO4, VO3 mach ich erst das 5. Semester etc. Wer jedoch lieber einen strengen Stundenplan hat, der sollte besser in Italien bleiben oder auf eine FH gehen, nicht jeder liebt das Organisieren…

Universität
Die Uni ist OK. Im Vergleich zu Italien sicher gut organisiert. Bei dem Publizistikstudium hinkt die Betreuung durch den Prof durch die hohe Anzahl der Studenten (pro Jahr 1.000 neue Studies) leider sehr hinterher. Die Beziehung Prof-Student ist sehr unpersönlich. Man sieht den Prof nur bei den VOs (außer man besucht seine Sprechstunde) und es gibt auch wenig zeit für Diskussionen, was bei so vielen Studies aber auch besser so ist...:) Praxisnähe ist noch ausbaufähig, sehr sogar, auch wenn man einen kleinen Einblick bekommt... Erreichbarkeit und Anlaufstellen sind OK. Ansonsten läuft alles wie es sich gehört und die Wiener sind auch sehr regelliebend..:)

Studienanfang
Siehe Kurzbeschreibung. Kurz: Viele freie Wahlfächer besuchen, denn dann hat man die nachher nicht mehr. DURCHHALTEN, es wird besser!!! Die Stadt anschauen gehn. Sie bietet unglaublich viel, und man kann immer all das machen, worauf man Lust hat. Am Besten man legt sich ein Rad zu, un erkundet die Stadt. Sie ist wirklich wunderschön und mit dem Rad ist man schneller als mit der U-Bahn (auf kurzen Strecken).

Studienstadt
Unglaublich großes Angebotan allem was das Herz begehrt (Kultur, Architektur, Erholung : Donauinsel, Wiener Wald, Parks...; Theater, Kino, Oper, Musical, Events, Konzerte, ....). Auch wer gerne sportelt kommt nicht zu kurz. Auf der USI werden günstige Sportkurse angeboten, oder man sportelt selbst im Freien. (Die saubere Luft ist da natürlich ein Taum:) ) Die Donauinsel oder der Wiener Wald bieten super Naherholungszonen. Man kann auch super mit dem Rad fahren und schwimmen ist mit den Monatskarten um 17€ für alle Wiener Stadtbäder auch extrem preiswert. Das Nachtleben bekommt einen eigenen Absatz, das ist es auch wert. In Wien kommt jeder auf seine Kosten, egal ob Tanzmaus oder Pub-Liebhaber. Jeder Musikgeschmack wird gespielt und man kann zu jeder Tages und Nachtzeit feiern, in noblen Clubs oder in abgefuckten Lokalen;) Die Preise sind extrem studentenfreundlich und es sind viele, viele junge Leute unterwegs. Nach der ausgibigen Partynacht versorgen Dönerstände und Würstelbuden für den geeigneten Snack für den Nachhauseweg. Diesen kann man mit den Nightlinern (verkehren täglich) oder mit dem Taxi antreten (wobei zweiteres natürlich angenehmer und schneller, jedoch auch teurer ist. Mit Fahrgemeinschaften jedoch erschwinglich). Ein weiterer Vorteil: das Essen ist im Vergleich zu Südtirol sehr billig (wenn auch oft nicht so gut...). Auch sonst lässt es sich in Wien gut leben. Zur Not findet man auch leicht einen Nebenjob, mit einem mehr oder weniger intensiven Arbeitsaufwand. Ich hatte immer Vorbehalte gegen Wien, seit ich aber dort lebe, ist es die schönste Studentenstadt für mich.

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