Erfahrungsbericht

Wien
Marianne Universität Wien, BSc - Biologie

Ich habe vor Kurzem an der Uni Wien das Bachelorstudium Biologie abgeschlossen, mit Schwerpunkt in Mikrobiologie und Genetik. Ab dem dritten Semester ging es mit der Spezialisierung los, das heißt in den ersten beiden Semestern lernt man noch Dinge aus allen Bereichen der Biologie (Zoologie, Botanik, Molekulare Biologie, Ökologie, Anthropologie...). Manche finden das weniger gut und würden lieber sofort mit einer Spezialisierung beginne, doch ich persönlich war sehr angetan davon, da ich alle Bereiche der Biologie mehr oder weniger spannend finde. Im Schwerpunkt Mikrobiologie & Genetik hat man dann recht viele Vorlesungen zu absolvieren, die sich thematisch auch manchmal etwas überschneiden. Das ist allerdings auch gar nicht so schlecht, denn so hat man eine Chance sich gewisse "basics" irgendwann wirklich zu merken und muss nicht fürchten, vieles bald nach der Prüfung wieder zu vergessen. Natürlich gehört auch sehr viel Chemie zum Mibi&Genetik-Zweig dieses Studiums: Die Prüfungen in organischer Chemie und Biochemie gehören zu den größten Herausforderungen des Studiums, werden aber von Professoren abgehalten, die sehr fair bewerten. Ansonsten gibt es natürlich viele Laborpraktika, an deren Ende meistens eine Prüfung steht und auch ein Protokoll muss immer verfasst werden. Ich persönlich habe Laborübungen positiv in Erinnerung: Sie finden immer geblockt in 2-3 Wochen statt und sind daher recht intensiv, doch gleichzeitig lernt man wirklich eine Menge unterschiedlicher Methoden kennen und kann endlich das praktisch umsetzen, was man zuvor nur aus den Vorlesungen kennt! Und die vielen Stunden im Labor eignen sich auch hervorragend um neue Bekanntschaften zu machen, was vielleicht nur mit Vorlesungsbesuchen etwas schwerer fällt. Generell zu den Vorlesungen: Man kommt sehr bald an einen Punkt, von dem an man den Stoff nicht mehr in Büchern nachlesen kann, weil er hauptsächlich auf aktuellen wissenschaftlichen Artikeln basiert. Natürlich werden die Foliensätze zu den Vorlesungen den Studenten auf einer Universitätslernplattform zur Verfügung gestellt, doch wenn man nicht selbst in der Vorlesung war, so hat man auch damit manchmal Probleme den Stoff wirklich zu verstehen. Glücklicherweise haben sich die Studenten so gut organisiert, dass man nicht gezwungen ist, zu jeder Vorlesung zu gehen (was auch manchmal gar nicht möglich ist, z.B. wenn sie sich mit geblockten Laborpraktika überschneiden): Im Internet gibt es zahlreiche Mitschriften früherer Studenten und in letzter Zeit werden von vielen Vorlesungen Tonmitschnitte gemacht, welche die Studenten dann untereinander austauschen. Das Mikrobiologie- und Genetikstudium an der Universität Wien ist natürlich sehr forschungsorientiert und auch die weiterführenden Masterstudiengänge sind eher darauf ausgerichtet, die Studenten für eine Laufbahn in der Forschung auszubilden. Dessen sollte man sich am Studienanfang bewusst sein. Im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden mit der Ausbildung, die ich an der Universität Wien erhalten habe und kann das Studium jedem empfehlen, der sich für Biologie begeistern kann! :)

Universität
Zumm Anmeldemodus: Im Biologiestudium hat man pro Semester 1000 Punkte zur Verfügung, die man auf bestimmte Lehrveranstaltungen setzen muss und schlussendlich werden jene Studenten genommen, welche die meisten Punkte gesetzt haben. Klingt nach einem aufreibenden Punkte-Poker, der jedes Semester aufs Neue eiskaltes Kalkül von den Studenten erfordert, ist aber im Endeffekt gar nicht so tragisch: Ich jedenfalls bin immer in jede Lehrveranstaltung reingekommen, in die ich reinwollte. Und wenn sich mal wirklich mehr Leute angemeldet haben, als Plätze zur Verfügung standen, so wurden die Plätze manchmal einfach kurzerhand aufgestockt. Für Mibi&Genetik-Studenten gibt es am Institut im 3. Wiener Bezirk auch das Büro der Studienprogrammleitung, welches sich um alle wesentlichen Probleme im Studium kümmert: Anmeldungen, Abmeldungen, Prüfungseinsicht, allgemeine Informationen zum Studium uvm. werden hier geregelt und man wird auch (meistens) mit viel Geduld empfangen. Das Institut für Mibi&Genetik befindet sich ebenfalls in der Dr. Bohrgasse im 3. Bezirk und hier finden auch die meisten Laborpraktika und viele Vorlesungen statt. Es ist zwar nicht sehr zentral gelegen, doch dafür mitten im Vienna Biocenter, welches mit mehreren namhaften Forschungsinstituten (IMBA, IMP, MfPL...) eine optimale Gelegenheit bietet, das erste Mal etwas Forschungsluft zu schnuppern. Am Studienanfang finden noch viele Lehrveranstaltungen im Hauptgebäude der Uni statt, im Chemie-Institut (Währinger Straße) oder im Biozentrum Althanstraße. Alle Orte können bequem mit den Öffis erreicht werden. Während der Laborpraktika wird man meistens von einem oder mehreren Tutoren betreut, während die Professoren meistens nur anfangs zugegen sind. Man arbeitet meistens mit einem Laborpartner zusammen, wobei jeder Kurs etwa 15 Teilnehmer hat. Da es eher wenige Betreuer für viele Studenten gibt, sollte man gut mit den anderen Studenten zusammenarbeiten und Infos austauschen. Die Räumlichkeiten der Übungslabors sind recht gut ausgestattet und die Geräte funktionieren auch größtenteils einwandfrei.

Studienanfang
Am Studienbeginn erscheint einem die Universität wie ein unüberschaubares Gewirr aus Anmeldungen, Fristen und unverständlichen akademischen Begriffen. Das Vorlesungsverzeichnis muss erst mal gefunden werden und was ist bitteschön der Unterschied zwischen "prüfungsimmanent" und "nicht prüfungsimmanent"?? Aber wenn man diese anfänglichen Schwierigkeiten er einmal bewältigt hat und sich einen Überblick verschafft hat, dann läuft es im Studium ganz gut: Auf die Ersemestrigen kommen zunächst einmal zwei riesige Vorlesungen zu, die sogenannten STEOPs (Studieneingangs- und Orientierungsphase). Diese beiden Vorlesungen zu je 8 ECTS-Punkten sind die erste große Hürde im Studium und verlangen gleich zu Beginn einiges an Durchhaltevermögen. Sie sind sehr lernaufwendig und die Prüfung am Ende besteht aus einem Multiple-Choice-Test. Für Erstsemester werden aber verschiedene Mentoring-Gruppen angeboten, in welchen man von erfahreneren Studenten Tipps zum Uni-Alltag bekommt. Unter anderem sind diese Mentoring-Gruppen auch dazu gedacht, die Studenten auf die STEOP-Prüfungen vorzubereiten (z,B. Beispielfragen...) Und wenn diese beiden Prüfungen erst mal geschafft sind, dann geht es richtig los: Im zweiten Semester erwartet die Studenten nach der (auch nicht ganz einfachen) Chemieprüfung die erste Laborübung (wieder Chemie) und ab dem dritten Semester geht es dann mit der Spezialisierung los. Ich jedenfalls konnte es damals nicht erwarten mit Mikrobiologie und Genetik zu beginnen und hatte keine Ahnung, welche Lehrveranstaltungen ich wohl zuerst besuchen sollte. Denn: Ab dem dritten Semester ist die Reihenfolge der Prüfungen nicht mehr so strikt vorgeschrieben, man kann endlich vieles frei wählen!

Studienstadt
Wien bietet mehr - Vielfalt und Flair! Ja, das stimmt wirklich! Ich kam in diese Stadt und hab mich gleich in sie verliebt! Vielleicht nicht so sehr in die Wiener selbst, aber die Stadt ist die ideale Studentenstadt! Überall gibt es Angebote für Studenten, seien es billige Last-Minute-Tickets für Theater und Oper, aber auch Sportkurse (USI) und Lokale (Deewan) bieten gute Optionen für Studenten. In Wien kann man wunderbar Party machen, es gibt Nightliner und U-Bahnen, wobei letztere an Wochenenden die ganze Nacht über verkehren. Was spricht noch für Wien? Der Türkenschanzpark, die Donauinsel, der Donaukanal und seine Summerstage, das Museumsquartier und seine winterlichen Glühwein-Iglus, sämtliche Christkindlmärkte zur Weihnachtszeit, das zauberhafte Rathaus mit der urigen Bibliothek, die Kaffeehauskultur und das "Phil", das "Chelsea" und der Prater, Schönbrunn mit seinem Zoo und die Albertina mit ihren Weltklasse-Austellungen, das "Votivcafé" und die obligatorische Lernpause in den Liegestühlen im Arkadenhof der Hauptuni, der Naschmarkt und der Karlsplatz, die vielen Veranstaltungen am Rathausplatz und Gratis-Pizzen, die vor der Uni verteilt werden, die Wiener Altbauten und der 1. Bezirk mit den zahllosen Gässchen, der Eis-Greissler im Sommer und der Punsch im Winter, Studenten überall und die Zeit deines Lebens! :)

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Erfahrungsbericht Das erste Semester überlebt? Oder gar schon fertig studiert? Schreib uns doch, wie du dein Studium erlebst oder erlebt hast, was gut und was weniger gut war, und wie dir deine Stadt gefällt. Oder du hast gar schon die Staatsprüfung abgelegt? Auch in diesem Fall kannst du angehenden Prüflingen wertvolle Hilfe leisten.

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