Erfahrungsbericht

Heidelberg, Deutschland
Julian Nikolaus Ruprecht-Karls-Universität, Rechtswissenschaften / Staatsexamen

Grundsätzlich sei gesagt, dass das Studium auf eine spätere juristische Berufslaufbahn in der Bundesrepublik vorbereitet, sodass es nur wenige Südtiroler*innen interessieren dürfte. Klar ist aber, dass einen jenseits der Alpen ein viel dynamischerer Arbeitsmarkt erwartet als in Italien. Als Vorteil des deutschen Jurastudiums kann u.a. gelten, dass es viel praxisnäher ist als sein italienisches Äquivalent. Lehrbuchseiten auswendiglernen fordert hier niemand. Bereits die ersten Klausuren (Prüfungen) bestehen darin, einen Fall gutachterlich zu prüfen, wie später bei Gericht, in Amt oder Kanzlei. Im Gegensatz zu den meisten übrigen Studienfächern (Bachelor-Master-System) ist Jura außerdem nicht so übermäßig verschult - im 1. Semester gibt es überhaupt keine Pflichtprüfungen und auch sonst ist die Studienordnung eher als Leitlinie denn als einengendes Korsett zu verstehen. Man wird geradezu ermutigt, sich sein Studium individuell zu konstruieren. Im Vergleich etwa zu naturkundlichen Fächern hat man in Jura prinzipiell mehr Freizeit. Allerdings trägt man mehr Eigenverantwortung, denn die Zeit muss man sich selbst einteilen.

Universität
Die Universität ist die älteste Deutschlands und eine altehrwürdige akademische Institution, mit weltweitem Ruf. Es ist eine Forschungsuniversität, bietet sich also für Leute an, die Spaß an wissenschaftlicher Betätigung und Kultur haben. Über mangelnde Betreuung kann ich nicht klagen, die Infrastrukturen sind angemessen und die Mensa hervorragend (und außerdem auch abends und am Samstag geöffnet, was den Geldbeutel schont).

Studienanfang
Das Maturadiplom muss erst förmlich anerkannt werden, um in Baden-Württemberg (also dem Bundesland, in dem Heidelberg liegt) studieren zu können. Hierfür ist die Anerkennungsstelle des Regierungspräsidiums in Stuttgart zuständig. In der Regel reicht die kurze Zeit zwischen Diplomvergabe und Anmeldungsfristende (in ganz Deutschland: 15. Juli) nicht, um einen "Unbefristete Anerkennungsbescheid" zu erhalten. Daher kann ein "Befristeter Anerkennungsbescheid" ausgestellt werden, der für die Bewerbung bei der Uni ausreicht. Die Gebühr beträgt 100 €. Es sei empfohlen, sich bereits vor dem Erhalt des Maturadiploms mit dem Regierungspräsidium in Kontakt zu setzen. Allerdings wissen die Beamten, dass die Anerkennungsbescheide rechtzeitig vor dem 15. Juli an die Antragssteller ausgegeben werden müssen. Das heißt: Im Normalfall dürfte die Anmeldung der der Uni nicht an der Behörde scheitern. Für deutsche Bundesbürger mit italienischer Matura gelten andere Anmeldevorschriften als für Nicht-Deutsche.

Studienstadt
Heidelberg wird nachgesagt, elitär zu sein. Es mag stimmen, dass die alten Räumlichkeiten, die großen Bibliotheken und ein Stadtbild, das sich seit der Goethezeit kaum verändert hat, zu einer gewissen intellektuellen Selbstverliebtheit führen können - aber verstaubt oder spießig ist Heidelberg sicher nicht. Die Lebensqualität ist außerordentlich hoch, wenngleich wir aus Südtirol diesbezüglich ein wenig verwöhnt sind. Die Stadt ist eher klein (rund 150.000 Einwohner), sodass die Studierenden einen erheblichen Anteil der Bevölkerung stellen - Heidelberg ist also eine typische Studentenstadt, wenn nicht sogar die Studentenstadt schlechthin. Für Kultur ist immer gesorgt, und die zahlreichen Kneipen, Bars, Cafés etc. in der Altstadt sind ganz in studentischer Hand. Das Nachtleben konzentriert sich ebenso in der Innenstadt, mit Ausnahme einiger Groß-Diskotheken am Stadtrand.

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Erfahrungsbericht Das erste Semester überlebt? Oder gar schon fertig studiert? Schreib uns doch, wie du dein Studium erlebst oder erlebt hast, was gut und was weniger gut war, und wie dir deine Stadt gefällt. Oder du hast gar schon die Staatsprüfung abgelegt? Auch in diesem Fall kannst du angehenden Prüflingen wertvolle Hilfe leisten.

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