Erfahrungsbericht

Padova
Christian Università degli Studi di Padova, Ingegneria dell'Automazione - Laurea Magistrale

Ich bin mittlerweile seit über vier Jahren in Padua; in diesem Zeitraum hat sich an der Universitaet vieles verändert (leider überwiegend zum Negativen). An manchen Fakultaeten sind zahlreiche Stellen eingespart worden; das wirkt sich direkt auf die Studenten aus, allein in diesem Jahr wurden zahlreiche Wahlfächer gestrichen, die Zahl der angebotenen Kurse hat sich drastisch verringert. Dieser Effekt ist vor allem auf der Facoltà di Ingegneria sehr stark zu spüren. Abgesehen davon, ist mein Studiengang sehr theoretisch orientiert; im Vergleich zu österreichischen oder deutschen Universitäten wird sehr viel Wert auf das theoretische Fundament, dafür umso weniger auf den praktischen Teil gelegt. Nur in sehr wenigen Kursen sind Unterrichtseinheiten in den Labors vorgesehen. In der Laurea Triennale ist das Verhältnis zu den Professoren ziemlich unpersönlich; Kurse mit 100 bis 200 Studenten sind vor allem im ersten Jahr nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Allerdings muss man den Professoren zugutehalten, dass sie trotz dieser widrigen Bedingungen immer verfügbar sind; bei Fragen nehmen sich die meisten gerne nach dem Unterricht oder in der Sprechstunde Zeit. In der Laurea Magistrale hingegen sind die meisten Kurse mit nicht mehr als 20 bis 30 Studenten besetzt; dadurch ist auch eine engere Zusammenarbeit mit den Professoren möglich. Mein Studium – so wie die Studiengänge der Facoltà di Ingegneria im Allgemeinen – ist ziemlich zeitaufwändig; wer also mehr Wert auf Unterhaltung als auf die Ausbildung legt, ist bei uns sicher fehl am Platz. =)

Universität
Die meisten organisatorischen und buerokratischen Fragen werden ueber das zentrale Sekretariat abgewickelt. Dieses ist recht gut organisiert, leider sind die Wartezeiten aber teilweise enorm (vor allem zu Semesterbeginn und -ende). Insgesamt ist die Organisation nicht schlecht; bei einigen Themen (zB Erasmus) gibt es aber doch Probleme, vor allem weil es - typisch fuer Padova - immer mehrere Personen gibt, die fuer einen Sachbereich zustaendig sind, und nicht selten erhaelt man sehr widerspruechliche Informationen. Die Infrastruktur ist grossteils sehr veraltet; nur die neueren Fakultaeten sind einigermassen gut ausgeruestet. Wie die meisten italienischen Universitaeten ist auch die Universitaet von Padova sehr theoretisch orientiert; es gibt nur wenige Fakultaeten wo regelmaessig Praktiken (oder Laboruebungen angeboten werden). Das theoretische Fundament ist natuerlich sehr wichtig, die praktische Ausbildung sollte aber doch zumindest ein wenig verbessert werden..

Studienanfang
Bereits im Sommer sollte man regelmaessig auf der Homepage der Fakultaet vorbeischauen, an der man interessiert ist. Wichtige Informationen werden dort bekanntgegeben. Normalerweise muss man sich im August/Anfang September voreinschreiben und anschliessend eine Aufnahmepruefung machen. Diese ist allerdings bei den meisten Fakultaeten nur eine Formsache; normalerweise duerfen sich auch jene, die die Pruefung nicht bestehen, einschreiben (eventuell muss man aber einen zusaetzlichen Kurs belegen und/oder gewisse Pruefungen innerhalb des ersten Jahres ablegen). Es gibt aber auch Ausnahmen, zB Medizin, wo nur eine gewisse Anzahl an Studenten aufgenommen wird.

Studienstadt
Padova ist eine typische Studentenstadt (ca. 60.000 der 250.000 Einwohner sind Studenten). Unter der Woche ist deshalb immer jede Menge los, vor allem am Mittwoch (mercoledì universitario); an diesem Tag treffen sich zahlreiche Studenten im Zentrum (v.a. Piazza Erbe) um miteinander zu feiern. Die meisten Lokale schliessen zwar gegen Mitternacht, aber wer Lust hat kann in einer der etwas ausserhalb gelegenen Diskotheken weitermachen. Ausserdem gibt es in der Naehe der Fakultaeten zahlreiche typische Studentenbars. Auch kulturell hat Padova Einiges zu bieten; es gibt viele Ausstellungen, Kirchen, Museen, Konzerte etc. Fuer viele dieser Events gibt es eine Studentenermaessigung. Normalerweise ist man in Padova mit dem Fahrrad unterwegs; der oeffentliche Verkehrsdienst funktioniert zwar recht gut, hat aber einen grossen Nachteil: nach 8 Uhr abends stellen die meisten Buslinien den Dienst ein. Die Lebenserhaltungskosten sind in Padova nicht sehr hoch; wer sich fuer die Wohnungssuche ein wenig Zeit nimmt, findet sicher etwas Preiswertes (in der Altstadt allerdings sind die Mietpreise ziemlich hoch). Leider hat man dafuer hohe Ausgaben bei den Studiengebuehren, bei den meisten Fakultaeten sind es mehr als 2000 euro pro Jahr. Sehr gewoehnungsbeduerftig ist das Wetter - im Herbst und Winter gibt es sehr viel Nebel, im Sommer ist es drueckend heiss, und vor allem die hohe Luftfeuchtigkeit macht zu schaffen. Ein Ventilator im Zimmer ist sehr zu empfehlen!

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